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Montag, 7. Februar 2011

Die Erde isst zu fett

Übergewicht ist zu einer weltweiten Epidemie geworden, warnen Forscher schon lange. Eine groß angelegte Studie bestätigt dies nun. Demnach sind eineinhalb Milliarden Menschen zu dick, 500 Millionen davon sogar fettleibig. Auch die Deutschen haben zugelegt.
Die Zahl der fettleibigen Menschen weltweit hat sich in den vergangenen 30 Jahren nahezu verdoppelt - und zwar auf eine halbe Milliarde. Im Jahr 2008 seien geschätzte 205 Millionen Männer und 297 Millionen Frauen auf der Welt fettleibig gewesen, heißt es in einer groß angelegten Langzeitstudie zu Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Cholesterin-Werten, deren Ergebnisse in der britischen Zeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurden. Als übergewichtig gelten sogar eineinhalb Milliarden Menschen
Das Problem sei dabei längst nicht mehr nur eines der westlichen Industrienationen, sondern habe sich in Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen ausgebreitet, sagte Majid Ezzati, einer der Autoren der Studie. Für die Untersuchung wurden Daten von 9,1 Millionen Erwachsenen aus 199 Ländern und Regionen ausgewertet. Um festzulegen, wer fettleibig ist und wer nicht, wurde der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen, der Körpergröße und Gewicht in Verhältnis zueinander setzt. Bei Werten über 25 spricht man von Übergewicht, bei einem BMI über 30 von Fettleibigkeit (Adipositas).

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

• 2008 waren weltweit 13,8 Prozent der Frauen und 9,8 Prozent der Männer fettleibig. 1980 waren es noch 7,9 Prozent der Frauen und 4,8 Prozent der Männer.

• Den höchsten BMI Durchschnittswert weltweit wiesen 2008 die Nationen der Pazifikinseln auf. Unter ihnen hat der kleine Inselstaat Nauru den größten Anteil an Dicken.

• In den Ländern mit hohen Einkommen leben die meisten Übergewichtigen in den USA und Neuseeland. Das geringste Problem mit Fettleibigkeit hat Japan.

• Weltweit gesehen hatten Frauen im Durchschnitt einen BMI von 23,8 und Männer einen von 24,1. In reichen Regionen waren Männer stärker übergewichtig als Frauen. In ärmeren Staaten war es umgekehrt.

• Deutschlands Frauen liegen mit einem durchschnittlichen BMI von 25,7 im Jahr 2008 auf Platz 17, die Männer mit 27,2 auf Platz zehn. 1980 hatten Frauen noch den BMI-Durchschnittswert von 24,7 erreicht, Männer 25,5.

• In Europa hatten Frauen in der Schweiz den durchschnittlich niedrigsten BMI-Wert, türkische Frauen und tschechische Männer den höchsten.

• Weltweit ist der BMI in Bangladesch bei den Frauen und in der afrikanischen Republik Kongo bei den Männern am niedrigsten.
Weniger Probleme mit Bluthochdruck
Etwas bessere Nachrichten gab es hinsichtlich des Bluthochdrucks und zu hohen Cholesterin-Werten. In den vergangenen dreißig Jahren konnte den Wissenschaftlern zufolge vor allem in den Industrienationen einiges erreicht werden. Die Wissenschaftler führen dies auf einen geringeren Salzkonsum, den Verzehr von gesünderen, ungesättigten Fettsäuren und eine verbesserte Früherkennung und Behandlung zurück.
Probleme mit Bluthochdruck sind seit 1980 in Europa, den USA, Kanada und Australien geringer geworden. Am größten waren sie 2008 in den baltischen Ländern sowie in Ost- und Westafrika. Deutschland liegt beim Bluthochdruck zwar im Vergleich im Mittelfeld, die Durchschnittswerte haben sich aber in den rund 30 Jahren verbessert. Anders sieht es bei den Cholesterin-Werten aus. Hier steht Deutschland zusammen mit Grönland, Island und Andorra an der Spitze der westlichen Ländern.


Die Ergebnisse der Studie liefern den Wissenschaftlern zufolge eine gute Grundlage für die Politik, die Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil zu schaffen. "Wir wissen, dass Veränderungen der Ernährung und körperlichen Aktivitäten zur weltweiten Ausbreitung von Fettleibigkeit beigetragen haben", sagt Gretchen Stevens von der Weltgesundheitsorganisation. "Wir müssen politische Maßnahmen identifizieren, einführen und immer wieder daraufhin untersuchen, ob sie helfen, diese Trends umzukehren oder ihre negativen Effekte zu begrenzen


Quelle:


http://www.stern.de/gesundheit/1500000000-menschen-sind-uebergewichtig-die-erde-isst-zu-fett-1650535.html#utm_source=sternde&utm_medium=zhp&utm_campaign=gesundheit&utm_content=snippet-aufmacher


Freitag, 4. Februar 2011

Macht Fett wirklich fett & krank?

Wie zweifelhafte Studien eine ganze Generation verwirrten.


Seit ca. 1950 gilt das Dogma, das fettreiche Ernährung dick und krank macht. Dieser Rückschluss liegt nahe, da Fett im Gegensatz zu Proteinen und Kohlenhydraten im Vergleich die doppelte Menge Kalorien liefert. Zudem fand man heraus, dass erhöhte Blutfettwerte eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herz- und Hirninfarkten spielt.
1953 wurden die Fette erstmals wissenschaftlich angeklagt. Der amerikanische Physiologe Prof. Keys veröffentliche einen Aufsatz zum Thema Arteriosklerose.
Als Erklärung, warum bei insgesamt wachsender Lebenserwartung in den USA immer mehr Menschen an Herzerkrankungen starben, präsentierte er einen Vergleich von Fettverzehr und Infarktsterblichkeit in 6 Ländern (USA, Kanada, England, Italien, Australien, Japan).
Ergebnis: Je höher die Fettaufnahme, desto höher die Infarktrate.
Keys fand das so bemerkenswert, das er von da an verkündete, fettreiche Ernährung verursachte Herzerkrankungen.
Viele seine Kollegen waren skeptisch - aus guten Gründen.
Vergleiche von Durchschnittswerten sind generell fragwürdig. Übertrieben gesagt isst vielleicht die Hälfte der Bevölkerung ganz viel und die andere gar kein Fett-der Mittelwert würde die Tatsache völlig verwischen.
Außerdem, selbst wenn A: viel Fett gegessen wird und B: viele Menschen an Herzerkrankung leiden, muss es noch lange keinen Kausalzusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen geben!
Viel gravierender war es jedoch, dass Keys sich genau die 6 Länder heraus gesucht hatte die zu seiner Hypothese passten. Hätte er dagegen alle 22 Länder verglichen, für die damals Daten verfügbar waren, hätte sich seine Behauptung nicht bestätigt.
Doch trotz der Argumentationsschwäche nahm die Verbreitung der Anti-Fett Botschaft fahrt auf. Nachdem die Medien darauf aufmerksam wurden, war die Botschaft nun in aller Munde.
Keys veröffentlichte noch eine Sieben – Länder – Studie, wonach speziell die gesättigten Fette in tierischen Nahrungsmitteln für hohe Cholesterinwerte und Herzinfarkte verantwortlich seien. Diese Studie stand ebenfalls auf wackligen Beinen, wie sein erster Ländervergleich.
Je schlechter die Fette angesehen waren, desto mehr wurden die Kohlenhydrate gelobt. An Vollkornprodukten wollte man sich satt essen, dass sei nicht nur gesund, sondern würde auch schlank machen. Die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts verbreitete Ansicht, dass zuviel Kohlenhydrate , vor allen in Form von Weißmehl und Zucker, Figur und Gesundheit gefährlich werden könnten, wurde immer mehr verdrängt.
Die These, dass fettreiches Essen Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkte und Krebs verursachen würde, hat sich mittlerweile verflüchtigt, nur wird es nicht deutlich genug gesagt; vom Zusammenhang zwischen Fett, Kohlenhydraten und Übergewicht ganz zu schweigen